Erste Praxis-Erfahrungen und Fazit:


EVGA setzt seine Individual-Tradition konsequent fort, auch die EVGA GeForce RTX 2070 SUPER Black Gaming gehört fraglos ins High-End Segment, ohne wenn und aber. Die Begründungen dafür liegen nicht so offenkundig auf der Hand, wie vielleicht viele vermuten. Eine derartig teure und schnelle Grafikkarte setzt auch Emotionen frei, insofern ist es zuweilen schon verständlich, wenn deren Besitzer sich keinerlei Kritik gefallen lassen, auch wenn sie möglicherweise berechtigt wäre. Dies kann allerdings für uns nicht gelten, wir wollen keinen Besitzerstolz vermitteln, sondern technische Fakten.
Fakt ist, dass EVGA einige technische Register gezogen hat, um aus einem ab Werk schon sehr guten Produkt ein noch besseres zu kreieren und um sich von den Karten der anderen Nvidia Partner abzugrenzen. Dies beginnt traditionell bei der Komponenten-Bestückung: eine Nvidia Referenz Platine, hochwertige Mosfets, 8 Phasen (GPU), 2 Phasen (Speicher) Spannungsversorgung mit UPI uP9512P als Controller fpr den VRAM, das überarbeitete iCX2 Kühlkonzept, sechs U-Heatpipes, usw. usw. Der VRAM selbst stammt in unserem Fall von Micron und hört auf die Bezeichnung D9WCW. Kurz und gut, EVGA hat für das Produkt nicht gerade die unteren Schatullen geöffnet. Das Resultat dieses Materialeinsatzes ist nicht nur optisch darstellbar, sondern auch im alltäglichen Praxisbetrieb. Diese Grafikkarte glänzt durch eine unglaubliche Stabilität in allen Aggregatszuständen, was einerseits durch den Einsatz der schon erwähnten Komponenten erklärbar ist und andererseits durch die Verwendung respektive Weiterentwicklung der iCX2 Kühlung, die auf jede thermische Eventualität die richtige Antwort parat hat.
Sicherlich hört sich unser Text bisher ein wenig nach Marketing-Katalog Seite 1 an, aber etwas differenzierter sollte man die Komponenten-Beschreibung schon verstehen. Wenn wir uns vor Augen führen, dass diese Komponenten u.a. eben auch einen sehr hohen Anteil daran ausmachen, ob eine Grafikkarte in bestimmten Lastzuständen Fiep-/Pfeif- und/oder anders geartete Störgeräusche (Coil Whine) erzeugt oder nicht. Und diesbezüglich können wir Entwarnung geben, unsere EVGA verrichtet ihren Job nahezu geräuschlos, was man ja leider nicht von allen Karten und auch nicht von den vergleichbaren Konkurrenzmodellen auf dem Markt behaupten kann. Selbstverständlich profitiert die Turing Grafikkarte auch von den restlichen Komponenten unseres Redaktionsrechners, das hochwertige ASUS Mainboard und das Seasonic Netzteil minimieren schon von Haus aus diese Problematik und steigern durch ihre hochwertigen Bauteile die Unempfindlichkeite gegen elektronische Störgeräusche. Geiz ist also durchaus nicht geil, sondern meistens absolut fehl am Platz, vor allem wenn der Anwender zu den geräuschtechnisch empfindlichen Nutzern gehört.

Die Kühlung der Turing Grafikkarte wurde offenkundig von EVGA aufwendig getestet, davon konnten wir uns nach einigen Probeläufen überzeugen. Die Karte wurde semi-passiv konzipiert, dadurch arbeitet sie im Idle-Modus absolut lautlos. Konkret bedeutet dies, dass die Karte im 2D Modus und unterhalb von 46°C die Lüfter nicht rotieren lässt. Erst ab 56°C aufwärts werden die Lüfter langsam dazu geschaltet, das beginnt bei knapp 610 U/Min und ist definitiv nicht aus dem System vernehmbar. Über 56°C und unter Spielelast steigert sich das Drehzahlvolumen auf bis 1830 U/min, was in unserem System allerdings ebenfalls nicht von der Arbeit der anderen Systemlüfter zu differenzieren war, das mag individuell anders ausfallen. Insgesamt funktioniert dieses Kühlkonzept ausgesprochen gut, die Karte ist sehr lange sehr leise und die jeweiligen Komponenten der Karte werden in jedem Aggregatszustand zuverlässig gekühlt, darauf kommt es an und darauf möchte sich der Anwender daheim auch verlassen können.

Der Strombedarf der EVGA GeForce RTX 2070 SUPER Black Gaming hält sich mit 11 Watt (gemessen idle ohne Last) und 288 Watt (gemessene Spielelast) zwar noch in überschaubaren Grenzen, macht aber auch deutlich, dass selbst die von vielen wegen seiner Energie-Effizienz oftmals gelobten Turing Architektur an seine Grenzen stößt. "Ja aber AMD kann es doch auch nicht besser" hören wir die Nvidia Fans lamentieren. Das können wir aber nicht als Argument gelten lassen, auch wenn es stimmen mag. Das gerade in diesem Bereich immer noch Optimierungs-Optionen existieren, zeigt der Effizienz-Sprung von Nvidias Maxwell und Keppler Plattform zur aktuellen Pascal Plattform sehr deutlich.

Das Thema Nachladeruckler wird gerne angeführt, um den Kauf einer Grafikkarte mit mehr VRAM zu rechtfertigen. Wobei die Spiele Engine und auch die Qualitätseinstellungen im Treiber diesbezüglich natürlich auch eine enorm gewichtige Rolle spielen, wie man ja beispielsweise anhand von Crysis 3, Metro Last Light, Anno 1800, GTA5 oder Battlefield 5 deutlich nachvollziehen konnte. Wer nun aber alles am VRAM festmacht, wird der Sache auch nicht gerecht, da die Qualität der Texturen und Textur-Swaps ein entscheidendes Wörtchen mitreden, zu beobachten über eben diese Nachladeruckler oder starke Einbrüche beim schnellen Wechsel der Games-Level. Da kann mehr VRAM natürlich etwas Linderung erreichen, wenn auch nicht gänzlich das grundsätzliche Problem beseitigen, denn da sind die Spieledesigner ebenso, um nicht zu sagen, ganz entscheidend gefordert. Trotzdem werden wir im Laufe der nächsten zwei Jahre vermutlich 8GB VRAM als neue Standard-Bestückung vorfinden. 12 GB VRAM und mehr dürften den High-End Plattformen zuzuordnen sein, also den im nächsten Jahr zu erwartendem AMDs High-End NAVI und Nvidias RTX 2080 TI sowie deren Weiterentwicklungen, aber das soll jetzt nicht unser Thema sein.

Ein Highlight stellt die Kategorie Garantie und Support dar, EVGA kann da auf Alleinstellungsmerkmale hinweisen und das mit Recht. Als einziger Hersteller bieten sie 3 Jahre Garantie mit der Option, diesen Zeitraum über eine Registrierung der Grafikkarte zu verlängern. Entweder auf 5 oder sogar 10 Jahre. Das kostet je nach Neupreis der Karte zwischen 8 und 50 Euro. Zusätzlich bietet der Hersteller einen Vorabaustausch für defekte Grafikkarten und ein Programm, bei dem Nutzer innerhalb von 90 Tagen ihre Grafikkarte gegen ein stärkeres Modell durch Zahlung der Preisdifferenz tauschen können, an. Wir haben das getestet und unsere Karte registriert, die Rechnung des Händlers hochgeladen und für knappe 49 € die Garantie auf 10 Jahre verlängert. Das Ganze kann man jederzeit in seinem EVGA Account einsehen, ausdrucken usw., so dass eine lückenlose Dokumentation existiert, die natürlich auch den Aufwand bei Problemen reduziert, denn eine RMA ist so problemlos auszulösen. Viel besser kann man einen Kunden kaum umsorgen... Eine kleine Einschränkung betrifft einen möglichen Zweitbesitzer, ab dem 25.5.18 gilt: nur mit Abtrittserklärung und Rechnung kommt man als Zweitbesitzer in den Genuß der beschriebenen Garantievorzüge. Bei allen Karten die vor dem 25.5.18 erworben wurden, gilt noch die alte Regelung und die besagt, dass keine Abtretung nötig ist.

Wer es sich leisten möchte und das nötige Kleingeld dafür parat hat, sollte EVGA auf seinem Wunschzettel notieren, es spricht absolut nichts dagegen und EVGA hat unserer Ansicht sehr deutlich unterstrichen, dass sie nicht nur extraordinäre Grafikkarten bauen können, sondern dass sie das Thema Garantie und Gewährleistung in Verbindung mit einem funktionieren Support im Focus behalten. Ob dies so bleibt, werden wir kontinuierlich prüfen und halten euch diesbezüglich auf dem Laufendem...

Schlussendlich stellt sich natürlich die Frage nach der angestrebten Käufer-Zielgruppe für so eine schnelle Grafikkarte, auch wenn der hohe Preis fraglos schon eine grundsätzliche Vorselektierung erzeugt. Die Frage ist relativ leicht zu beantworten: wer sich diese Grafikkarte leisten kann, über einen großen Monitor (24" Minimum) verfügt und an einer prinzipiellen Übertaktung interessiert ist, sowie die dafür technischen Ambitionen inklusive Erfahrung besitzt, kommt als Klientel in die Verlosung. Klingt trivial und ist es auch, weil so eine Grafikkarte an einen 19-Zoll Monitor anzuschließen in etwa so sinnvoll wie der Einsatz von 32GB Arbeitsspeicher auf einem Office Rechner ist. Und wer nicht übertaktet und auch sonst keine Begeisterung für ultimativ ausgeklügelte Hardware empfindet, sollte sich einen anderen und vor allem preiswerteren Grafikbeschleuniger suchen, zumal die Preise wegen der zahlreichen Neu- und Weiterentwicklungen noch weiter in Bewegung geraten werden..

Keine Kritik ?
Oh doch und ob, das nicht vorhandene Handbuch respektive der minimalistische Installations Guide sind ein schlechter Witz und der Witz wird nicht besser oder bezüglich der Pointe schlüssiger, wenn man ihn online ständig wiederholt, denn auf ihrer Homepage stellt EVGA auch nichts umfangreicheres zur Verfügung. Für den intuitiv erfahrenen Profi mag das kein relevantes Thema sein, aber es soll Kunden geben, die sich vor dem Kauf gerne informieren, was sie diesbezüglich erwartet und diese berechtigten Informationswünsche stillt EVGA definitv nicht.
EVGA kann nicht ernsthaft davon ausgehen, dass ihre Kunden Informatik studiert oder ein Grafikkarten-Installations-Praktikum absolviert haben, darum muss das Handbuch schlicht und ergreifend umfangreicher gestaltet sein. Solche Kleinigkeiten mögen einige als lapidar oder belanglos abtun, wir sehen das etwas anders, denn gerade bei solchen Kleinigkeiten zeigt sich ein funktionierendes Qualitäts-Management oder eben auch nicht...
Dass EVGA seinem Produkt keinerlei Extras in Form von Adaptern und/oder Spielen/Software spendiert, ist angesichts des Produktpreises gelinde gesagt, enttäuschend. Zumal auch sonst in der üppigen Schutzverpackung nichts zu finden wäre, es sei denn man bezeichnet die kleine farbige Werbebroschüre, die uns EVGA als Installations Guide offeriert, als nennenswerte Beigabe...wohl eher nicht...






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