Verarbeitung und erster Eindruck:

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Verpackung-1 Verpackung-2 Verpackung-3 Zubehoer

Die Verpackung der SeaSonic Platinum Netzteil Serie wirkt relativ unspektakulär, was wir als wohltuend empfinden, zumal sich sich die oftmals störenden Marketing Offerten ebenfalls in überschaubaren Grenzen bewegen. Unsere aufmerksamen Leser haben es sicherlich registriert, seit geraumer Zeit testen wir grundsätzlich zwei Netzteile aus unterschiedlichen Chargen, um den berüchtigten Golden Samples aus dem Weg zu gehen und natürlich auch um uns selbst im Fall der Fälle eine schnelle zweite Meinung bilden zu können.
Aber zurück zur Verpackung, wir attestieren sie als völlig ausreichend um den gefürchteten DoA (Dead on Arrival) zu verhindern, das Netzteil ist durch einen dicken Schaumstoff Mantel bestens geschützt, so dass selbst ruppige Paketzusteller kaum in der Lage sind, die kostbare Elektronik zu schädigen. Darüber hinaus hat SeaSonic alles wichtige übersichtlich angeordnet: ein abermals überarbeitetes 8-sprachiges Handbuch, die Kabeltasche mit den sehr attraktiven modularen Flachbandkabeln, das Kaltgerätekabel und die Zugabe in Form von Kabelbändern, Klettbändern und den kaum verzichtbaren Befestigungsschrauben. Kurz und gut, es fehlt im Grunde nichts, um das Gerät sicher in Betrieb zu nehmen und der Käufer kann sich über das ausführliche Handbuch vorher hinreichend informieren, was wir jedem dringend empfehlen, der noch nie ein Netzteil selbst verbaut und/oder ausgetauscht hat.

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Frontansicht Seitenansicht Heckansicht Draufsicht

Die Lackierung und Farbauswahl gestaltet sich noch dezenter als beim Platinum 860 Watt Netzteil, lediglich der Aufkleber besitzt einen leisen Anflug von Platinschattierung, ansonsten herrscht das übliche Netzteilgrau vor, etwas langweilig, aber auch pragmatisch, das Netzteil sitzt ohnehin meistens an optisch kaum zugänglichen Bereichen des PC Gehäuses. Der Netzteil Deckel verfügt auch nicht über ein separates Lüfterblech, sondern wurde wieder als komplettes Oberteil mit den inzwischen üblichen wabenförmigen Lufteinlässen gefertigt. Das Lüftergitter selbst wurde leicht versenkt angeordnet, dadurch kann es je nach Einbaulage nicht zu Kollisionen mit einer zu üppig konstruierten Netzteilaufnahme oder mit eventuellen Netzteilhaltern kommen, die wir vorwiegend in Lian Li oder Lancool Gehäusen antreffen. Mit anderen Worten, gequetsche Lüftergitter sollten hier absolut kein Thema sein.
Die Verarbeitung der Netzteil Außenhülle entsprecht dem, was man in dieser Preisklasse erwarten kann und muß: eine ausgezeichnete und widerstandsfähige Pulverbeschichtung, die darüber hinaus auch noch optisch hochwertig wirkt. Über den kleinen Schreibfehler im Typenschild sollte man lächelnd hinwegsehen, diesbezüglich haben wir schon ganz andere Stilblüten erlebt. Da die Abmessungen sich auf ATX-konforme 150×86×160mm belaufen, sollte das Netzteil sich problemlos in nahezu jedem PC-und Desktop Gehäuse verbauen lassen. Die früher von uns gerne kritisierten Kabelports von SeaSonic erfuhren schon vor geraumer Zeit eine gründliche Renovierung, so daß wir auch im Fall der jetzt erweiterten Platinum Serie keinen Grund für Kritik entdecken können. Alle Ports sind nicht nur nachvollziehbar beschriftet worden, sie schließen mit dem Netzteil Gehäuse bündig ab, was wiederum den Vorteil erwirtschaftet, dass das Netzteil-Gehäuse über die Kabelports nicht künstlich verlängert wird. Das Gewicht von 1888 Gramm ohne Kabelstränge entspricht fast genau dem eines SeaSonic X-660 Netzteils (der Vorgänger), ein weiteres Indiz dafür, das an keiner Stelle irgendwelche versteckten Rotstiftmaßnahmen angesetzt wurden. Der Netzteil Korpus ist an den Seiten und auch hinten hermetisch geschlossen ausgeführt, und das macht Sinn, denn durch eventuelle Öffnungen kann im schlechtesten Fall zusätzlich noch warme Abluft aus dem Rechnerinneren eindringen.

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Aufkleber Seitenansicht-2 Gewichtsmessung

Das Auslassgitter ist wie gewohnt durch eine wabenförmige Struktur dominiert, der klar definierte Ein-Ausschalter sitzt gut erreichbar an der Seite und teilt sich diesen Platz mit dem Anschlußport für das Kaltgerätekabel, das einmal eingesteckt sehr gut fixiert seinen angestammten Platz behauptet. Wir betonen dies ganz bewußt, wir haben schon einige Netzteile erlebt, an denen gerade an diesem Bereich sehr oft verarbeitungstechnisch geschludert wird, mit der Konsequenz, das sich das Kaltgerätekabel aus seinem Port herauswackelt.

Einbau-Tipps: Besitzer von Lian Li oder Lancool Gehäusen sollten wie schon erwähnt auf die mittlerweile zum Standardzubehör beförderte breite Netzteilhalteklammer verzichten und das Netzteil generell verschrauben. Nicht nur weil der Halter nach einiger Zeit unschöne Marken auf dem Netzteil hinterläßt und/oder das Lüftergitter zerdrücken kann, sondern vor allem weil der Halter einen nicht unerheblichen Teil des Gitters verdeckt und somit die nutzbare Fläche für den ansaugenden Lüfter einschränkt, sofern das Netzteil mit dem Lüfter gen Innenraum verbaut wird.
Nun könnte man einerseits das Netzteil in seiner "normalen" Position mit dem Lüfter nach unten einbauen. Dann kümmert sich das Netzteil im Grund nur um sich selbst und seine Kühlung, was sehr leise vonstatten gehen kann, da es weitestgehend vom Rest der heißen Komponenten abgeschottet arbeitet. Dank der variablen Bohrungen ist es aber auch möglich, das Netzteil mit dem Lüfter gen Innenraum zu verbauen, beides besitzt Vor-und Nachteile. Da das Netzteil gen Innenraum nicht hermetisch abisoliert ist, gelangt ohnhin Abwärme aus dem Innenraum ins Netzteil, egal welche Einbaurichtung bevorzugt wird und unten positionierte heiße Soundkarten (bis 50°C) sind sicherlich dankbar für eine aktive Unterstützung. Außerdem saugt der Netzteillüfter dann nicht den ganzen Staub und Dreck unter eurem Gehäuse an, auch wenn ein Filter vorhanden ist. Der Netzteillüfter wird durch die Abwärme des Innenraums allerdings stärker beansprucht, was durchaus in einer erhöhten Geräuschkulisse resultieren kann. Der gerne gehörte Vorteil, das so das Netzteil auch die Grafikkarte unterstützt, weil es Abwärme von der Grafikkarte absaugt, ist ein zweischneidiges Schwert. Wenn die Grafikkarte über einen Radiallüfter seine Abwärme selbst aus dem Gehäuse bläst, spielt die Einbauposition des Netzteils eh keine Rolle. Besitzt die Grafikkarte allerdings einen oder zwei Axiallüfter, die auf die Platine der Grafikkarte blasen, "gräbt" das Netzteil der Grafikkarte die angesaugte Luft ab, weil das Netzteil diese Luft ebenfalls ansaugt. Diese Fakten sollte man vor dem Einbau eines Netzteils kennen, damit die Komplettierung eures Rechners nicht im Thermo-Frust endet.

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Lüfteransicht Lüfteransicht-2

Auch dieses Seasonic Platinum Netzteil verfügt über einen Lüfter aus dem Lüfter-Sortiment von Sanyo Denki, was sich in der Vergangenheit eigentlich immer als gute Wahl erwiesen hat. Warum kein anderer Hersteller diese Lüfter einsetzt, erschließt sich uns nicht, aber das mag auch eine Frage des Preises sein. Der Lüfter weist folgende Hersteller-Kenndaten auf:

• OEM: Sanyo Denki
• Kennnummer: San Ace 9S1212F404
• Lagerung: doppeltes Kugellager
• IC-Motor: Sanyo
• Gewicht: 140g
• Beleuchtung: nein
• Abmessungen (mm): 120x120x25
• Lüfterblätter: 7
• Betriebsspannung: 4,5 bis 13,8 Volt
• max. Lautheit: ca. 30dBA
• MTBF: ca. 40.000 Stunden bei 60°C
• max. Volumentransport (CFM): 70,6 (120,02 m³/h)
• max. Geschwindigkeit: 2200U/min
• maximale Stromaufnahme: 2,28 Watt (0,10 Ampere)
• Anschluß: 2-pin

Für den an der Elektronik minimal überarbeiteten Lüfter steht eine Maximaldrehzahl von 2200 U/min zu Buche, die allerdings eher theoretischer Natur ist, denn im realen Einsatz wird mit weitaus niedrigeren Drehzahlen gearbeitet. Es ist wie schon erwähnt schade, das so wenig Hersteller diese Lüfter verbauen, sie verfügen unisono über ein vorzüglich austariertes Lager und einen hochwertigen Motor, was sich in Vibrationsarmut und einem nebengeräuschfreien Lauf deutlich widerspiegelt. Der Lüfter wird im Hybridmodus über die Seasonic-Lüftersteuerung sowohl last-als auch temperaturabhängig angesteuert und zwar folgendermaßen:
Bis 30% Last (+/- 5%) oder ca. 25°C läuft der Lüfter gar nicht, d.h. das Netzteil arbeit passiv gekühlt. Erst ab 30% Last und/oder 25°C schaltet der Lüfter in den sogenannten "Silent Mode", in dem er bis zum Erreichen der 50% Lastmarke bleibt, erst dann wird der Lüfter in den sogenannten "Cooling-Modus" versetzt, wo mehr Wert auf Sicherheit als auf Geräuscharmut gelegt wird. Der Silent Mode wurde also im Vergleich zur X-Serie ein wenig nach oben versetzt, dort nahm der Lüfter bereits ab ca. 25% Last seine Arbeit auf.

Gesamtprinzip

Steuerung

Sicherlich werden sich jetzt viele fragen: "was soll dann der Schalter hinten am Netzteil, wenn das Netzteil alles automatisch regelt?" nun, zugegebenermaßen kann dieser Schalter schon etwas verwirren, die Lösung ist aber denkbar einfach: wenn wir den hinteren Schalter auf "Normal" schalten, ist die Hybridsteuerung deaktiviert und der Lüfter läuft permanent aktiv mit, was ja in grenzwertig belüfteten PC-Gehäusen durchaus Vorteile erarbeiten kann. Stellen wir den Schalter auf "Hybrid" wird genau diese Steuerung aktiviert.
Was bedeutet das nun im Detail? bei deaktivierter Hybridsteuerung (S²FC) (Schalterstellung "Normal") läuft der Lüfter wie erwähnt permanent aktiv mit. Der Lüfter rotiert in diesem Modus bis zu einer Last von ca. 50% (+/- 5%) mit gemessenen 688 U/min. Ab 50% Last (+/- 5%) steigert sich der Lüfter dann kontinuierlich, bis er dann bei einer Last von 100% seine Maximaldrehzahl von gemessenen 1437 U/min erreicht.
Bei aktiver Hybridsteuerung (S³FC) entfällt der aktive Bereich bis 30% Last und/oder 25°C, in dieser Phase rotiert der Lüfter gar nicht, das Netzteil arbeitet also in diesem Modus komplett passiv gekühlt. Von 30% bis 50% Last (oder ab ca. 25°C) entspricht das Verhalten des Lüfters dann dem aktiven Modus, was sich auch in den Drehzahlen niederschlägt, also den schon erwähnten 688 U/min. Ab 50% Last aufwärts erreichen wir den Cooling-Modus, d.h. der Lüfter steigert sich von 688 U/min langsam aber stetig bis zu seiner Maximaldrehzahl von 1437 U/min, die er bei 100% Last abruft.
Auf eine Nachlaufsteuerung, die wir für ohnehin als gänzlich überflüssig erachten, wurde verzichtet. Hocheffiziente Netzteile benötigen dies im Normalfall nicht und wenn unser PC-Gehäuse tatsächlich über keine Gehäuselüfter verfügen würde, wäre der erste Schritt zu einer optimalen Be-und Entlüftung entsprechende Gehäuselüfter zu kaufen und einzusetzen, damit das Netzteil nicht ständig mit der erhitzten Abluft des Systems konfrontiert wird. Bei den allermeisten aktuellen PC-Gehäusen sitzt das Netzteil ohnehin auf dem Gehäuseboden und kümmert sich nahezu ausschließlich um sich selbst, insofern entfällt eine Legitimation für eine Nachlaufsteuerung, die nur unnötig Strom verbraucht.



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